Brief an die Aktionäre

Rekordwerte bei Umsatz und Gewinn im ersten Halbjahr 2022 – Sika bestätigt Ziele für laufendes Geschäftsjahr.
 

Liebe Aktionärinnen und Aktionäre

Sika hat sich in einem überaus anspruchs­vollen Umfeld behauptet und im ersten Halbjahr 2022 ein weiteres Rekord­resultat erzielt. Der Umsatz konnte deutlich auf CHF 5’250.3 Millionen gesteigert werden (+18.0%). Dies entspricht einem Anstieg in Lokal­währungen von 19.5%. In einem Umfeld, das durch eine militärische Auseinander­setzung in Europa, steigende Energie- und Rohstoff­preise, starke Inflation und eine Euro-Franken-Parität gekenn­zeichnet ist, belegt das im ersten Halbjahr 2022 erzielte Geschäfts­ergebnis einmal mehr die Stärke der Sika Wachstums­strategie. Auch unter heraus­fordernden geopolitischen und makro­ökonomischen Rahmen­bedingungen werden solide Ergebnisse geliefert.

ÜBERPROPORTIONALE EBIT-STEIGERUNG

Im ersten Halbjahr 2022 konnte der Betriebsgewinn (EBIT) unter anderem durch einen Buchgewinn infolge der Veräusserung des europäischen industriellen Coating-Geschäfts deutlich gesteigert werden, dieser wurde zudem durch Aufwendungen im Zusammenhang mit der MBCC-Akquisition negativ beeinflusst. Deutliche Kosten­steigerungen der Rohmaterial­kosten konnten durch Preiserhöhungen, Operating Leverage erzielt durch Volumeneffekte und Effizienz­steigerungen aufgefangen werden. Insgesamt konnte der EBIT auf CHF 841.9 Millionen gesteigert werden (Vorjahr: CHF 685.9 Millionen) und ist damit um +22.7% höher als im Vorjahr.

ZWEISTELLIGES WACHSTUM IN ALLEN REGIONEN

Der globale Bausektor wird vom Megatrend Klimawandel sowie von zunehmender Automatisierung, Digitalisierung und einfach zu applizierenden Produkten geprägt, welche die Bauindustrie mehr und mehr verändern. Gefragt sind Lösungen zur Steigerung der Klima­effizienz und zur Reduktion von CO2-Emissionen sowie zur Schonung der Ressourcen. Sika ist mit dem breiten Produkt­portfolio ideal positioniert, um den Kunden Technologien anzubieten, die ihren CO2-Fussabdruck verringern und langlebiges und ressourcen­schonendes Bauen ermöglichen. Innovative und einfach zu applizierende Lösungen sorgen für Kosten­effizienz im Bau- und Renovations­prozess. Darüber hinaus profitiert Sika von starken weltweiten Konjunktur­förderungs­programmen.

Umsatzsteigerung in Lokalwährungen

+19.5%

Die Region EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) erzielte eine Umsatz­teigerung in Lokal­währungen von 12.9% (Vorjahr: 24.1%). Nach einem zweijährigen starken Wachstum im Distributions­handel aufgrund verstärkter Renovatioins­aktivitäten, stellte sich in diesem Segment eine Normalisierung ein. Im Projektgeschäft der west­europäischen Länder ist ausserdem eine leicht rückläufige Tendenz festzustellen. Die Länder Afrikas und des Nahen Ostens hingegen profitieren von einem dynamischen Wachstum im zweistelligen Bereich. Sika hat im ersten Halbjahr im ostafrikanischen Tansania einen neuen Standort bezogen und produziert neben Beton­zusatz­mitteln nun auch Mörtel vor Ort. Ebenfalls ausgebaut wurde der Standort an der west­afrikanischen Elfenbeinküste. Auf einem doppelt so grossen Werksgelände wie zuvor entstanden neben zusätzlichen Produktions­kapazitäten auch neue Lager- und Büroräume sowie Labore.

Die Region Americas erzielte ein Wachstum in Lokal­währungen von 35.8% (Vorjahr: 19.5%). Einen Grossteil des Wachstums  generierte Sika im Bereich von Infrastruktur­projekten, die in diesem Jahr mit einem Investitions­volumen von umgerechnet CHF 200–250 Milliarden staatlich gefördert werden. Der Schwerpunkt der Bautätigkeit lag auf der Modernisierung und der Erweiterung von Metro-Linien, Brücken, Tunneln und Autobahnen. Ein weiterer starker Nachfrageeffekt geht von Investitionen in kommerzielle Bauprojekte aus, wie Stadien, Lagerhäuser und Rechenzentren. Finanzmittel, die während der Pandemie zurück gestellt wurden, werden nun freigegeben. Ausserdem hat das Bergbaugeschäft stark an Dynamik gewonnen, von der vor allem Länder wie Kanada, Peru und Chile profitieren. Darüber hinaus trugen die starke Nachfrage über den Distributionskanal in Lateinamerika und boomende E-Commerce-Bestellungen in der ganzen Region zum soliden Geschäftsergebnis bei.

Umsatz 1. Halbjahr in Mio. CHF

5’250.3

Mit Sable Marco in Kanada und UGL in den USA konnten zudem zwei Firmen akquiriert werden, die ihre leistungsstarken Produkte über etablierte Distributionskanäle vertreiben. Ausserdem wurde in Bolivien eine neue Mörtelproduktion in Betrieb genommen und in der Nähe von Washington D.C. eine Fertigungsstätte für Beton­zusatz­mittel eröffnet.

In der Region Asien/Pazifik konnte der Umsatz in Lokalwährungen um 17.0% (Vorjahr: 26.0%) gesteigert werden. Mit zweistelligen Zuwachsraten hat vor allem das Distributions­geschäft in China von einer anhaltend starken Wachstums­dynamik profitiert, während das Projektgeschäft durch zahlreiche Lockdowns aufgrund der Covid-19-Pandemie beeinträchtigt war. Dennoch konnte China insgesamt zweistellig wachsen. Indien entwickelt sich dynamisch und die Länder Südostasiens konnten in anspruchsvollen Märkten hohes einstelliges Wachstum erzielen.

Im Segment Global Business realisierte Sika ein Wachstum in Lokalwährungen von 13.2% (Vorjahr: 27.6%) und ist damit deutlich schneller als der Markt gewachsen. Anhaltende Lieferengpässe, vor allem in Europa, wirken sich auch im laufenden Geschäftsjahr nachteilig auf die weltweite Automobil­industrie aus. In den meisten Regionen können die Automobil­hersteller die Nachfrage nach Neufahrzeugen nicht decken. Dennoch erwartet Sika für ihr Automotive-Geschäft anhaltende Wachstums­impulse. Treiber hierfür werden die Transformation und die strategische Neuausrichtung der Automobil­industrie sein, in der die Elektromobilität und alternative Antriebs­konzepte einen zentralen Stellenwert einnehmen und durch staatliche Förder­programme auf dem Vormarsch sind. Sikas umfassendes Portfolio, zu dem unter anderem Hochleistungs­klebstoffe für die Leichtbau­weise oder Lösungen für das Wärme­management in modernen E-Batteriesystemen gehören, ermöglicht den modernen Fahrzeugbau und macht Elektrofahrzeuge leichter, umweltfreundlicher und sicherer.  

UPDATE ZUR AKQUISITION VON MBCC

Sika konnte im November 2021 eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme der MBCC Group (ehemaliges Bauchemiegeschäft der BASF-Gruppe) unterzeichnen. Mit einem Umsatz von CHF 2.9 Milliarden ist die MBCC Group ein weltweit führender Anbieter von bauchemischen Produkten und Lösungen. Die Übernahme wird Sikas Portfolio in vier von fünf Kerntechnologien und sieben von acht Zielmärkten ergänzen sowie die geografische Präsenz stärken. Mit der Transaktion entsteht ein Schlüsselspieler für mehr Nachhaltigkeit.

Der Markt für bauchemische Produkte und Lösungen wird in den nächsten Jahren auf rund CHF 80 Milliarden wachsen und bietet aufgrund seiner starken Fragmentierung vor allem im Bereich Nachhaltigkeit grosse Wachstumsmöglichkeiten. Rund 53% des MBCC-Umsatzes entfallen auf den Bereich Construction Systems, die restlichen 47% auf den Bereich Betonzusatzmittel. Die Übernahme erfolgt vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen. Sika ist überzeugt, alle erforderlichen Genehmigungen zeitnah zu erhalten, und arbeitet eng mit den Behörden zusammen. Der Abschluss der Akquisition ist gegen Ende 2022 geplant.

AUSBLICK

Sika ist mit ihren innovativen Technologien ein bevorzugter Partner vieler Kunden im Bau- und Industriesektor. Staatliche Investitions­programme in Milliardenhöhe werden das Geschäft in den nächsten Jahren zusätzlich stimulieren. Darüber hinaus nutzt Sika gezielt die Megatrends, welche die Schlüsselmärkte antreiben.

Basierend auf diesen Erwartungen bestätigt Sika die strategischen Ziele 2023 und damit auch die Ziele für das laufende Geschäftsjahr. Das Unternehmen bleibt weiterhin auf langfristigen Erfolg und profitables Wachstum ausgerichtet. Mit dem Fokus auf die sechs Eckpfeiler – Marktdurchdringung, Innovation, operative Effizienz, Akquisitionen, starke Unternehmens­werte und Nachhaltigkeit – will Sika bis 2023 jährlich um 6%–8% in Lokalwährungen wachsen. Ab 2021 erreicht das Unternehmen eine EBIT-Marge zwischen 15% und 18%. Projekte in den Bereichen Operations, Logistik, Beschaffung und Produkt­formulierungen sollen zu einer Verbesserung der Betriebskosten von jährlich 0.5% des Umsatzes beitragen.

Für das Geschäftsjahr 2022 erwartet Sika eine Umsatz­steigerung in Lokal­währungen von deutlich mehr als 10% und sollte damit erstmals die Umsatzgrenze von CHF 10 Milliarden übertreffen. Ebenfalls erwartet wird eine über­proportionale EBIT-Steigerung.

Freundliche Grüsse

DR. PAUL HÄLG
Präsident des
Verwaltungsrats

THOMAS HASLER
Vorsitzender
der Konzernleitung